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MDR1 – Gendefekt

MDR1-Defekt

Der MDR1-Defekt ist ein Defekt im MDR1-Gen, der bei einigen Hunderassen verbreitet ist. Dadurch kommt es zu einer mangelhaften oder fehlenden Synthese eines bestimmten Proteins (P-Glykoprotein, P-gp), was zu einer Überempfindlichkeit gegenüber manchen Arzneimitteln führt. Dieser Defekt tritt bei Hunderassen auf, die mit dem Collie bzw. aus dem Collie entstandenen Hütehundrassen verwandt sind. Dementsprechend gilt diese Gen-Mutation bei anderen von diesem Defekt betroffenen Rassen als Nachweis der Verwandtschaft.

Das (funktionierende) MDR1-System ist vor allem bei Säugetieren und Menschen bekannt und hier evolutionsgeschichtlich sehr alt. Tiere, die dieses System nicht besitzen, können ähnliche Empfindlichkeiten für Medikamente zeigen. Seit etwa zwanzig Jahren ist bekannt, dass manche Hunderassen an einer Überempfindlichkeit gegenüber manchen Arzneistoffen leiden. Besonders bekannt wurde dabei die Ivermectin-Überempfindlichkeit der Collies. Bei der Gabe von Ivermectin oder verschiedenen anderen Arzneimitteln kann es bei diesen Hunden zu neurotoxischen Symptomen, wie Bewegungs- und Koordinationsstörungen, Zittern, Benommenheit, Erbrechen, Desorientiertheit und vermehrtem Speichelfluss kommen, höhere Dosen können auch zu komatösen Zuständen und sogar zum Tod des Tieres führen.

Aufgrund der Probleme in der Arzneitherapie von Hunden mit dem Genotyp MDR1(-/-) wird z. B. von der Universität in Gießen empfohlen, den Gendefekt in der Zucht betroffener Hunderassen zu berücksichtigen und so zu verpaaren, dass keine vom Defekt betroffenen Nachkommen entstehen können. Der MDR1-Genotyp eines Hundes ergibt sich aus der Kombination eines von väterlicher (+ oder -) und eines von mütterlicher Seite (+ oder -) vererbten Merkmals. „+“ steht dabei für ein intaktes MDR1-Gen und „-“ für ein defektes MDR1-Gen. Für den MDR1-Genotyp eines Hundes gibt es drei verschiedene Möglichkeiten: Nicht betroffen – MDR1(+/+), Merkmalsträger – MDR1(+/-) und Betroffen – MDR1(-/-).

Der Defekt im MDR1-Gen wurde u. a. bei folgenden Hunderassen gefunden: Collie (Kurzhaar und Langhaar), Shetland Sheepdog, Australian Shepherd (normal wie auch Miniature), Bobtail und Border-Collie. Des Weiteren ist der Defekt bei folgenden Rassen bekannt: Wäller, English Shepherd, Silken Windhound, Silken Windsprite, Berger Blanc Suisse, Weißer Schäferhund, sowie enigen Mischlingen aus diesen Rassen. Seit Anfang 2008 werden außerdem weitere Rassen wie Barsoi, Belgischer Schäferhund oder Kelpie auf den Defekt untersucht.

Auf dieser Seite der Universitätsklinik Gießen finden Sie eine Übersicht der Medikamente, die bei Hunden mit MDR1 (-/-) kritisch sein können.

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